Klagelieder für die Opfer der NSU-Mordserie

Beitrag von Roman Kern und Anne Kathrin Thüringer

ARD, ttt, 01.09.2013, 23:20 Uhr

Am 2. September berät der Bundestag über den Abschlussbericht des NSU-Untersuchungsausschusses. Esther Dischereit will die Traumata der NSU-Morde in einer Oper künstlerisch aufarbeiten. Dem Werk vorangestellt sind acht Klagelieder.

Am 22. August hat der NSU-Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestages seinen Abschlussbericht vorgelegt. Auf mehr als 1000 Seiten versucht er, Licht in die dunklen Hintergründe der größten fremdenfeindlichen Mordserie im Nachkriegsdeutschland zu bringen. Das Ergebnis ist erschütternd: totales Behördenversagen und eklatante Ermittlungsfehler – Politiker und Opferanwälte sprechen teils von institutionellem Rassismus.

Esther Dischereit in Berlin

Doch weder der Untersuchungsausschuss noch der NSU-Prozess in München können den Angehörigen die Möglichkeit geben, ihrer Trauer über die ermordeten Familienmitglieder, ihrem Vertrauensverlust und dem Schmerz über jahrelange Verdächtigungen Ausdruck zu geben. Deswegen begann die deutsch-jüdische Schriftstellerin Esther Dischereit mit der Arbeit an einer Oper, die die NSU Verbrechen künstlerisch aufarbeitet. Als Komponistinnen konnte sie zwei der erfolgreichsten türkisch-stämmigen Musikerinnen Deutschlands, Sinem Altan und Ipek Ipekçioğlu (DJ Ipek), gewinnen.

ipek ipecioglu

Der Oper vorangestellt sind “Klagelieder”. Es sind acht Texte, auf deutsch und auf türkisch geschrieben, vertont mit Musik von DJane Ipek, die den Opfern des NSU-Terrors gewidmet sind – für die Familien ein Zeichen den Mitgefühls und der Anklage. Anfang September werden sie in verschiedenen Hörfunkprogrammen der ARD gesendet.