Journalisten unter Druck: Beiträge

Interviewreihe von Roman Kern und Anne Kathrin Thüringer

Initiative von kontur medien, 24.2.2014

Artikel – ob gedruckt oder online – Beiträge und Dokumentationen in Fernsehen und Internet, das ist für alle selbstverständlich. Aber wie geht es eigentlich denen, die das alles produzieren? Eine Bestandsaufnahme zur aktuellen Situation des Journalismus.

Journalisten berichten über Ausbeutung und Lohndumping, unfaire Arbeitsbedingungen und Burn-Out durch Stress am Arbeitsplatz: Über Probleme im eigenen Gewerbe schweigen sie sich aus. Nur hinter vorgehaltener Hand hört man von fehlender Motivation, psychischem Druck und Existenzängsten.

Im privaten Gespräch merkt man schnell, wie viel Frustration sich überall breit gemacht hat.

Vor allem auf Freie aller Medienbereiche wächst seit Jahren der Druck: Printkollegen, die von 1000 € im Monat leben müssen, Radio-Journalisten, deren Tagessätze bei steigenden Lebenshaltungskosten kontinuierlich sinken, Freie beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen, deren Verträge nach 10 Jahren nicht verlängert werden.

Von alldem bekommt die Öffentlichkeit kaum etwas mit. Als Journalist über die eigene Branche zu mäkeln, gilt als unschicklich und unprofessionell. Der Druck ist massiv: Immer gibt es jemanden, der den Artikel für das magere Honorar schreibt oder einen VJ, der das kleingerechnete Angebot der Produktionsfirma noch unterbietet.

Streiks, Proteste, oder Arbeitskampf? Bis auf ganz wenige Ausnahmen: Fehlanzeige! Journalisten haben für ihre Sache zu brennen, sie müssen Überzeugungstäter sein!

Aber was, wenn sich die miserablen Bedingungen auf die Arbeit auswirken? Wenn die Wahl auf leichte Themen fällt, weil man keine Zeit hat oder kein Risiko mehr eingehen kann? Was ist mit Genauigkeit und Seriosität bei der Recherche? Kann ein Journalist, der nicht weiß, wie er die Miete bezahlen soll, eigentlich noch richtig arbeiten?

Die Einladung zu einer Podiumsdiskussion, organisiert von CNN, Investigate, vocer, dem Presseclub Kassel e.V. und der hessischen Landesanstalt für privaten Rundfunk, und war die Initialzündung zu dieser Initiative.

Gemeinsam mit Hans Leyendecker (Süddeutsche Zeitung) und Marcel Rosenbach (SPIEGEL) war Anne Kathrin Thüringer als CNN Journalist 2013 eingeladen: Beim Thema „Journalisten unter Druck – wenn Recherche zum Luxus wird“  – sollte sie die Freien vertreten. Moderiert wurde die Diskussion von Prof. Dr. Stephan Weichert.

Es war der ideale Anlass, um Fragen zu stellen:
Wie steht es um den Journalismus im Jahr 2014? Wie viel Wert legen Redaktionen noch auf gute Recherche und sind sie auch bereit, dafür zu zahlen? Wo gehen Entwicklungen in die falsche Richtung? Braucht es mehr Solidarität?

Um die Debatte in Gang zu bringen, hat kontur medien auf eigene Kosten eine Interviewserie produziert.

Ein Beitrag wurde bereits auf der Debatte in Kassel gezeigt. Der Gastgeber der Podsiumsdiskussion, die hessische Landesanstalt für privaten Rundfunk sah sich leider nicht in der Lage, das Projekt auch nur mit einem symbolischen Betrag zu unterstützen. Angesichts des Themas wirkte das besonders verwunderlich.

Es hat uns aber nicht von unserem Vorhaben abgebracht; das Thema ist uns wichtig. Die kurzen Filme sind eine erste Bestandsaufnahme. Sie zeigen mutige Kollegen, die sich nicht scheuen, Probleme beim Namen zu nennen und den Finger in die Wunde zu legen: Eine desillusionierte Berufseinsteigerin, ein engagierter freier Produzent, ein langjähriger Freier Mitarbeiter des NDR-Fernsehens und einer, der schon in Rente ist, aber vom Journalismus trotz aller Kritik nicht lassen kann.

Bislang sind es vor allem TV-Journalisten. Unsere Hoffnung ist, dass die hier versammelten Filme als Anstoß zu einer Diskussion beitragen, denn Qualitäts-Journalismus stellt in unseren Augen einen besonderen Wert dar, den es unbedingt zu erhalten gilt.

 

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